Über Feindbilder und Kriegsbereitschaft reden – auch zu Weihnachten

Renate Dillmann beendete am 3. Dezember ihren Vortrag über den unauflösbaren Zusammenhang von kaptitalistischer Großmachtkonkurrenz und Krieg mit der Aufforderung, überall unter Freunden und Kollegen das Gespräch zu suchen über die Gründe für die Kriegsbereitschaft, die hinter all der verschleiernden Sprache, der Emotionalisierung  und Dekontextualsierung verborgen liegen. Mit einem Augenzwinkern: Weihnachten im Familienkreis ist eine gute Gelegenheit dazu!

Hier eine Anekdote von Jürgen Lodemann (aus „Lortzing“) zum weihnachtlichen Gespäch  ohne den Familienfrieden völlig zu zerstören: „Josef Mohr Oberndorf an der Salzach dichtete 1818, ohne es zu ahnen, einenWelt-Hit: `Stille Nacht, heilige Nacht.´Die Schlusszeile der ersten Strophe lautet bekanntlich `Christ, der Retter ist da´. Dies Retter-Amt´ scheint Joseph Mohr aber nicht nur metaphysisch gemeint zu haben. Es existiert eine Strophe, die unter dem Berliner Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. sofort und hellsichtig als eine Art christlicher Internationale durchschaut und prompt verboten wurde. In der seither ignorierten Strophe heißen die beiden letzten Zeilen, überaus brüderlich, also fraternisierend und alle Feinde rings umarmend, auch den `französischen Erbfeind´  `…und als Bruder huldvoll umschloß/ Jesus die Völker der Welt/ Jesus die Völker der Welt´.“

Auch die fünfte Strophe ist heute kaum bekannt: „Stille Nacht! Heilige Nacht!/Lange schon uns bedacht,/Als der Herr vom Grimme befreyt, /In der Väter urgrauer Zeit/Aller Welt Schonung verhieß!/Aller Welt Schonung verhieß!“

Verständigung und Brüderlichkeit sind auch heute weder nach religiösem Vorbild von oben noch als Forderung von unten populär. Lasst die Stille Nacht nicht zu still werden!

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